Foto: Transgender Fahne.
Copyright: Carola Zentara
Im Magazin Welt der Frauen erzählen Heublumen ihre ganz persönlichen Geschichten aus dem queeren Alltag. Die Geschichte von Maria erzählt vom Leben in zwei Welten. Vom Leben als Bauer. Und vom Leben als Transperson am Wochenende.
Meine Freundin Maria sagt, es gebe zwei Leben. Eines in Gummistiefeln zwischen Stall und Weide. Und eines im Auto, am Weg in die Türkis Rosa Lila Villa. Unter der Woche ist sie Bauer in Niederösterreich. Die Hände riechen nach Schafwolle, die Nachbarn sagen Herr zu ihr, und jedes falsche Wort könnte ein Gerücht zu viel sein. Sichtbar als Frau zu leben, ist hier für Maria keine Option. Die Angst vor den anderen Bauern sitzt ihr im Nacken wie ein kalter Wind. Am Samstag bringt sie mit ihrem Hund die Schafe in den Stall und steigt ins Auto.
Jahrzehntelang ist das ihr Ritual. Sie fährt die Autobahn hinunter, bis die Schilder Wien ankündigen, biegt auf einen Parkplatz vor der Stadt. Der Motor verstummt, das zweite Leben beginnt. Maria lackiert sich die Nägel, zieht ein Kleid an, setzt die Perücke auf und schaut sich im Rückspiegel in die Augen.
Ziel ist die Türkis Rosa Lila Villa an der Linken Wienzeile, ein Haus, das 1982 besetzt wurde und seither ein queeres Zentrum mit Beratung, Gastronomie und Wohnungen ist. Im Sommer sitzt Maria mit ihren Freundinnen im Gastgarten unter einem ausladenden Baum. Ältere Trans-Damen, die laut lachen, die Scherze machen, die die Kellnerinnen beim Namen kennen. Hier ist sie einfach Maria. Wenn die Lichter der Stadt irgendwann verschwimmen, steigt Maria wieder ins Auto. Im Kofferraum liegt das Kleid.